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Das Projekt zur Sonderausstellung im Landesmuseum Hannover würdigt Philipp Kleins Schaffen und entstand in enger Zusammenarbeit mit Kuratorin Leonie Appl, setzt die langjährige Zusammenarbeit mit Thomas Andratschke fort, bezieht von Anfang an die wunderbaren Ideen der Kunstvermittlerinnen Florentine Marie Holte und Swantje Wurl ein, und basiert nicht zuletzt auf der inspirierenden Recherchearbeit der Klein-Kennerin und Sammlerin Barbara Hofkamp, der Autorin des Werkverzeichnisses. Um in die Zeit Philipp Kleins einzutauchen, ihn in seinem Wirkungsfeld zu zeigen, macht die Gestaltung die Epoche grafisch erfahrbar und bietet den Werken einen opulenten Rahmen. Die Ausstellungsfläche gliedert sich in drei Bereiche: 
Die großflächige Darstellung seines Selbstporträts als Raucher empfängt die Besucher:innen und leitet mit typischen Farben Kleins direkt in die Schau ein. Das Hauptmotiv im Original nebst Titel der Ausstellung sind links zu sehen. Die Eingangswand leitet den Blick vom Selbstporträt mit seinen furiosen Pinselstrichen hin zum stimmungsvollen Farbenspiel des »Sonnenaufgangs am Chiemsee«, das in Sichtachse auf der zentralen gelben Stellwand platziert ist. Ein erster, noch dunkel gehaltener Raum bietet an einer »Männerwand« Kontext zu seinen Einflüssen und dem teils noch im Dunkeln liegenden Lebensweg, bevor sich der Raum in opulentem Violett und sonnigem Gelb seinen Werken öffnet. Die Farben Gelb, Violett und Weiß werden zu einer strahlenden Bühne für die Gemälde zugespitzt, die Highlights symmetrisch inszeniert. Sie erzählen von Sonne und Strand, von Salons und Boudoirs, von Landpartien und heiterer Weiblichkeit. 
Wir wandeln durch elegante Bilderwelten, begegnen im Zentrum des großen Saals dem eindrucksvollen Hauptwerk »Vor der Redoute«, das kurz vor seinem Tode auf der Biennale in Venedig gezeigt wurde, ohne ihn, bis zu einer letzten Stellwand, die mit einer wehmütigen Dame (seiner Ehefrau) und einer Todesannonce das rätselhafte Ende markiert. Flaniert der Besucher zurück, sieht er kurz vor dem Ausgang die Rückseite der Auftaktwand mit dem bezeichnenden Motiv »Vor der Abreise«, auf dem als Pendant Kleins Annonce platziert ist, in der er schlanke junge Damen mit eleganten Kleidern sucht, und Diskretion anbietet.
Philipp Klein, Vor der Redoute (Kat. 46), 1906, Öl auf Leinwand, Landesmuseum Hannover, Dauerleihgabe der Landeshauptstadt Hannover (links). Isaac Israels, Dame am Strand von Viareggio, um 1929, Öl auf Leinwand, Landesmuseum Hannover (rechts).
Kuratorin Leonie Appl ergänzt die Ausstellung um Kontextexponate wie Zeitschriften und Plakate, Ausschnitte einer Kunst, der die Gestaltung Prinzipien wie eine kraftvolle Betonung von Ecken oder die Verwendung robuster Zierrahmen entlehnt. 
Die grafische Ebene vereint Jugendstil-Elemente mit moderner Klarheit: Zwei von Peter Behrens’ floralen Schmuckzeichen, entnommen seiner 1902 für die deutschen Weltausstellungen 1904 / 1910 entwickelten Schrift, bilden die Grundlage für eine Reihe an Schmuckrahmen, die Schilder und Vitrinen zieren. Diese werden ergänzt um eine lesbarere, aktuelle Grotesk-Schrift, deren Glyphen die Formen der Epoche feiern. Sie ist einerseits von der DIN-Schrift inspiriert (Deutsche Industrie Norm) und bringt andererseits elegant-emotionale Formendetails ein. Behrens’ Schrift selbst wird nicht verwendet — obwohl sie als Jugendstil-Schrift par excellence gilt — um Irritationen bezüglich der historischen Einordnung von »Fraktur« zu vermeiden.
Die Schilder sorgen für Flair: meist Ton in Ton zur Wandfarbe, wobei die weißen Kanten das Thema Licht und Schatten aufnehmen. Partizipative Stationen laden zum aktiven Erleben ein und sind entsprechend spielerischer gestaltet.
Das Gestaltungskonzept verbindet radikale Einfachheit mit sinnlicher Tiefe: Das Œuvre Kleins steht im Mittelpunkt, die Werke werden symmetrisch gruppiert und durch Highlights betont. Die Raumaufteilung fragt »Was steckt dahinter?«, hinter Wänden und Motiven, hinter Kleins Leben und Schaffen, und dem rätselhaften Finale seines frühen Todes. Sie verortet Kleins Kunst visuell in ihrer Zeit und übersetzt deren Leuchtkraft in eine moderne, zugängliche Form. Beleuchtet seine einzigartige Sonnenlichtmalerei.
Soundtrack

å — lush
see \ we’ve got / time
pop + jazz / playlist
zum entwurf
Django Reinhardt / Goldfrapp / Tomora / Thom Yorke / John Coltrane / Johnny Hartman / Björk / Miranda Sex Garden / Eartha Kitt / Jill Barber / Hindi Zahra / Nat King Cole / The KVB / Mazzy Star / Ry X / Angela Aux / Aloa Input / Sofi Paez / The Smile
22 tracks / 1:37

Weitere Arbeitsbeispiele

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